Suche allgemein

Untersuchungsprogramm

Verzeichnis aller Analysen bitte hier klicken.

Ärztlicher Ansprechpartner

Dr. med. Petra Kappelhoff
Tel.: 0231 · 9572 - 232
kappelhofflabmed.de

Dipl. Chem. Dr. med. Arnold Eberhard
Tel.: 0231 · 9572 - 310
eberhardlabmed.de

 

LQ - Liquordiagnostik

Kaum eine andere Probenentnahme der Laboratoriumsmedizin ist mit so großen Vorbehalten und Ängsten verbunden wie die Liquorpunktion. Weil der Liquorraum ausschließlich von Hirngewebe umschlossen ist, wird die Entnahme von "Hirnwasser" mitunter als ein Angriff auf das "Ureigenste" empfunden. Vielleicht nur eine Reminiszenz, denn die Hirnkammern galten noch im ausgehenden Mittelalter als "Sitz der Seele". Tatsächlich bilden spezielle Zellsysteme der Hirnkammern, der Plexus chorioidis, den Liquor. Eine Punktion erfolgt jedoch nicht am eigentlichen Bildungsort des Liquors, sondern in Höhe der Lendenwirbelsäule.

Analytische Seelenkunde

Normalerweise ist Liquor wasserklar und zellarm. Nur kleine wasserlösliche Moleküle liegen ungefähr in der gleichen Konzentration wie im Blut vor. Größere wasserlösliche Moleküle können hingegen nur teilweise in den Liquorraum gelangen, und fettlösliche Moleküle treten nur in Spuren vom Blut-Kompartiment in den Liquorraum über. Hierfür steht der Begriff Blut-Liquor-Schranke. Einige Proteine sind dafür umgekehrt liquorspezifisch und kommen praktisch nicht außerhalb des Liquorraumes vor. Deswegen erlaubt beispielsweise der Nachweis des ß-trace-Proteins im Nasensekret eines Patienten den Rückschluss, dass die Flüssigkeit direkt aus dem Liquorraum stammt; eine Feststellung von großer Tragweite etwa nach einem Schädeltrauma.

Kern jeder Liquordiagnostik ist die parallele Parameteranalyse in einem Serum-Liquor-Paar. Zu den Basisparametern zählen Albumin und die Immunglobuline. Die Auswertung erfolgt im so genannten Reiber - Schema, wobei entzündliche Prozesse und Schrankenfunktionsstörungen des zentralen Nervensystems erkannt werden. Vor allem akut entzündliche, infektiöse Erkrankungen können mit massiven Schrankenfunktionsstörungen einhergehen. Erst wenn die Schranke sich wieder "schließt" - was sich ebenfalls einem Liquorbefund entnehmen lässt - kann auf den beginnenden Heilungsprozess eines Patienten geschlossen werden. In der Regel wird Liquormaterial aus derselben Probe zeitgleich auch mikroskopisch auf Zellen sowie Bakterien geprüft und eine mikrobiologische Kultur angelegt. Ein Erreger-Direktnachweis mittels PCR-Technik kann binnen Stunden Klarheit über die auslösende Ursache einer akut entzündlichen Erkrankung wie etwa Meningitis/Encephalitis verschaffen.

Ein wichtiges Feld der Liquordiagnostik stellen auch die chronisch entzündlichen Prozesse im zentralen Nervensystem dar, wie zum Beispiel die Multiple Sklerose/MS. In diesem Fall ist der Nachweis von Proteinen, die innerhalb des Liquorraumes pathologisch gebildet werden maßgeblich, nämlich der Nachweis so genannter oligoclonaler Proteine mittels isoelektrischer Fokussierung und Immunoblot. Andere Marker wie NSE und S-100-Protein reflektieren wiederum Zerstörung oder Untergang von Hirngewebe etwa nach einer Hirnblutung, einem Hirninfarkt oder auch Unfall.

Eine bedeutende Rolle spielt in jüngster Zeit der Nachweis von Markern, die einen chronisch dementativen Prozess beispielsweise vom Typ Alzheimer anzeigen. Besondere Aussagekraft kommt dabei dem Tau-Protein (typischer Weise erhöht bei dementiellem Prozess) und dem ß-Amyloid 1-42 (typischer Weise erniedrigt bei M. Alzheimer) zu.

Die Liquordiagnostik hat sich zu einem anspruchsvollen und unentbehrlichen labormedzinischen Bereich entwickelt. Für eine valide, tragfähige Liquoranalyse muss allerdings vorausgesetzt werden, dass die Diagnostik kliniknah angesiedelt ist. Transportzeiten von mehreren Stunden zum Liquorlabor sind problematisch!

Die Deutsche Gesellschaft für Liquordiagnostik und Klinische Neurochemie hat sich als Fachgesellschaft diesem kleinen, aber feinen Bereich der Laboratoriumsmedizin verschrieben. In Zusammenarbeit mit INSTAND, dem Institut für Standardisierung, werden Ringversuche für die externe Qualitätskontrolle von Liquoruntersuchungen organisiert, an denen wir selbstverständlich regelmäßig teilnehmen.